Hornissen- & Wespenschutz


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Erzählung

Das Wespenjahr

Das soziale Jahr der Hornissen und Wespen




Anders als im Kalender beginnen wir je nach Witterung und Temperatur mit unserem sozialen Hornissen und Wespenjahr erst im April- wir stellen Ihnen ein Jahr mit unserer Familie der Faltenwespen vor.
Die Form der Erzählung erinnert an ein Gespräch zwischen einem Vater, der seinem Sohn ein wenig Natur ans Herz legen möchte. Wir wünschen gute Unterhaltung und Spaß beim lesen. Die getroffenen Aussagen treffen sinngemäß für alle unsere heimischen sozialen Faltenwespen zu.

Die Ausnahme bilden im Nestbau und im sozialen Staatsverhalten die verschiedenen Arten der Feldwespen. Diese Fallen aber ohne hin durch ihre kleine Volksstärke nicht oder nur wenig auf- trotzdem werden diese Arten leider aus Unwissenheit verfolgt und abgetötet.

Mitte April, ein herrlicher durch Sonnenschein lichtdurchfluteter gewärmter Frühlingstag:

V:„Komm lass uns nach draußen gehen und ein wenig die Natur beobachten wie Sie am heutigen Tage zu neuem Leben erwacht!“

S: „Ja, gerne. Ich hätte große Lust ein wenig am Bach spazieren zu gehen denn dort findet man die schönsten Tiere und Spuren- denn Wasser ist für alle Lebewesen ein unverzichtbares Lebens-Elixier.“

V: „Schau mal da, in dem Mäuseloch- da krabbelt etwas heraus- es ist wohl eine Hornissenkönigin Man erkennt Sie daran, weil Sie größer ist als eine Wespe und einen etwa Weinroten Kopf mit Orangegelben Fühlern eine weinrote Brust und die ersten Hinterleibsringe ebenfalls in rot gehalten sind. Herrlich dieser Anblick.“

S: „Was hat die denn in diesem Loch gemacht?“

V: „Die Königin hat dort den Winter verbracht. Letztes Jahr im Oktober oder November hat Sie Ihre große Familie als Jungkönigin verlassen hat einen Hornissenmännchen gefunden der Ihr eine Flüssigkeit gab die Sie zum Eierlegen im nächsten Jahr unbedingt braucht. Danach sucht Sie sich einen kuscheligen Platz als Winterquartier und schläft den ganzen Winter durch. In einem verlassenen Mäusebau findet Sie ein optimales Klima dafür vor. Dann im Frühjahr, so wie heute, erwacht sie aus dem Schlaf und möchte durch die Sonnenstrahlen gewärmt Ihrer vorbestimmten Natur nachgehen. Schau nun hat Sie sich warm gemacht und fliegt davon.“

S: „Die war vielleicht schön- lass uns weitergehen. (Eine Weile später) Schau mal, da an dem Ast. Da ist sie wieder die Hornisse. Sie frist den Ast auf.“

V: Nein, mit Ihren starken Kieferzangen kratzt sie die Rinde des Astes auf um an den Saft darunter zu kommen. Dieser enthält viel Kohlenhydrate die sie nach dem langen Schlaf benötigt um den Hunger zu stillen und um sich zu stärken. Da Sie bald anfängt ein Nest zu gründen und Eier zu legen, braucht sie viel Energie. Das geschieht auch dann einige Tage später.“

Anfang Mai:

S: ganz aufgeregt: „Komm schnell mit und sieh mal, was ich in unserer Hütte entdeckt habe. Da ist ein graues Hornissennest, aber ich sehe keine Hornissenkönigin, nur eine ähnliche aber gelbe Hornisse.“

V: „Das ist aber keine Hornisse und kein Hornissennest. Das ist wohl eine sächsische Wespenkönigin, die sich genauso verhält wie eine Hornisse. Du kannst die Nester einer Hornisse und einer Wespe zunächst an den Farben, dann an den Tieren unterscheiden. Hornissen die du ja anhand der Färbung schon unterscheiden kannst bauen ockergelbe Nester – ähnlich farbig baut ebenfalls die Gemeine Wespe, da diese beiden morsches Holz von Bäumen abnagen und mit dem Speichel vermischen- dieses wird dann ganz dünn aufgeschichtet und zu einem Nest gebaut. Im Prinzip haben wir hier also Papier- weshalb die Bezeichnung der Wespen auch zu Papierwespen hergeleitet wird. Alle anderen Arten haben graue Nestfarben, weil sie altes und verwittertes Holz verwenden- diese unterscheiden sich dann also von der Wahl des Nistplatzes und der Baukonstruktion.“

S: „Woher weißt du dann das es eine sächsische Wespe ist, und was macht sie denn da nun- warum sind einige Löcher denn so weiß überzogen?“

V: „Zunächst kann man diese Wespen in zwei Gattungen unterscheiden Kurz oder Langkopfwespen. Dies geschieht über die genaue Betrachtung des Spaltes zwischen Augenunterrand und Kieferoberseite. Ist dort kein oder ein großer Abstand ist es entweder eine Kurz- oder Langkopfwespe. Anhand der Stirnzeichnung auf dem Kopfschild kann man dann teilweise die Arten sehr gut unterscheiden- dann spielt die Färbung der Augenbuchten noch eine Rolle um eine genaue Bestimmung vorzunehmen. Diese Nestgründerin muss in den ersten Wochen das Nest ganz alleine bauen, dann legt sie Eier in die Zellen, die Larven schlüpfen dann wenige Tage später und haben Hunger. Deshalb muss die Königin auch noch Futter holen. Sie bevorzugen andere Insekten (Fliegen), Nektar, usw. damit werden die Larven, die sich später in Ihren Zellen einspinnen, das sind dann die weißen Deckel, und zu einer Wespen Arbeiterin verwandeln gefüttert. In der ersten Zeit muss also die Königin, das Nest bauen, Eier legen, Larven füttern und beschützen. Die Zellen die ohne weißen Deckel sind, da hat die Königin ein Ei eingeklebt. Bei den anderen erkennst du ja die Larven die alle kopfunter hängend nach Futter betteln.

S: „Ganz schön viel Arbeit für so ein kleines Tier. Faszinierend wie Sie das Nest erweitert- ich beobachte nun einfach mal weiter.“

Ein paar Wochen später Mitte Juni;

V: „Was machen Deine Wespen in der Hütte, welche Beobachtungen konntest du denn so machen?“

S: „Ich habe den Schlupf der ersten Wespen beobachtet. Diese blieben danach erst mal auf dem Nest und die Königin hat sie noch eine Zeit lang gefüttert. Später sind dann alle ausgeflogen. Ab diesem Zeitpunkt ist die Königin vom Nest nicht mehr weg. Als die ersten Arbeiterinnen dann zurück waren hatten einige etwas zum Essen dabei, andere hatten Baumaterial mitgebracht. Dann wurden Königin und die neuen Larven gefüttert. Die anderen bauten fleißig neue Waben aus. Nun ist es aber so, dass man nur noch sieht wie die durch das Ein- und Ausflugloch krabbeln.“

V: „Richtig, sobald die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, kümmert sich die Königin nur noch um das Eier legen. Alle anderen kümmern sich ihrer sozialen Natur entsprechend um die Larven und die Königin. Jetzt heißt es alles für den Staat zu tun um zu überleben. Durch die viele Arbeit sterben jedoch die Arbeiterinnen nach ca. 4-5 Wochen Lebenszeit. Durch eine ständige Vervielfachung der Nachkommen wächst jedoch der Staat von Woche zu Woche stetig an. Das Nest wird dauerhaft vergrößert indem die Waben immer größer und neue Waben darunter gebaut werden. Die Nesthüllen hingegen werden von Innen nach außen immer wieder abgerissen und neu aufgebaut. Außerdem müssen wir uns mit zunehmender Größe später auch richtig in der Nähe des Nestes verhalten. Gerade bei den Deutschen und den Gemeinen Wespen kann es bei Unachtsamkeit vorkommen, dass man wegen dem angeborenen Verteidigungsinstinkt der Wespen sonst gestochen wird.“

Spaziergang Mitte bis Ende August;

S: „Sieh mal dort in dem Busch da ist ein graues Wespennest drin - wenn nicht so viele Wespen fliegen würden, hätte man das fast nicht entdeckt.“

V: „ Du hast Recht, das dürfte ein Nest der Mittleren Wespe sein. Sie ist ein ausgesprochener Freinister. Wenn du genau hinschaust, dann erkennst du unterschiedliche Farben und Größen der einzelnen Tiere. Die größeren die draußen am Nest sitzen sind die jungen Königinnen, auch sie haben eine leichte rote Färbung, weshalb sie auch „die kleine Hornisse“ genannt wird. Diese sind schon sehr weit im Wespenjahr. Die Jungen Königinnen werden nun bald von den Männchen befruchtet und können sich dann später ein Winterquartier, wo sie den Winter durchschlafen, suchen. In dieser Zeit helfen die kleinen verwöhnten Jungköniginnen aber nicht mehr mit, sie lassen sich ordentlich durchfüttern, dass sie gestärkt sind. Bald wird die Alte Königin sterben und der soziale Hofstaat zerfällt. So ergeht es dann allen Langkopf Wespenarten. Mitte spätestens Ende September ist das Nest dann abgestorben und es wird durch die Witterung oder die Zeit einfach zerfallen. Nur die Kurzkopfwespenarten und die Hornisse schaffen es, ihren Staat bis Ende Oktober oder sogar Anfang November zu erhalten.“

Etwas später im Wald:

V: „Schau mal da, den alten Baum. An der Außenseite kannst du kleine ockergelbe Nestteile erkennen. Weißt du was das ist?“

S: „Das ist ein Wespen oder Hornissennest oder?“

V: „Ja genau, es könnte das gegründete Nest unserer Hornissenkönigin sein. Sie hat einen natürlichen Nistplatz in diesem Baum gefunden. Leider werden diese Nistplätze immer weniger, weil niemand mehr daran denkt, dass diese von der Natur dringend gebraucht werden. Aus diesem Grund kommt es immer häufiger vor, dass wir Hornissen und Wespen in Rollladenkästen oder Dachböden haben und dort werden Sie dann durch uns Menschen aus Angst abgetötet. So erging es der Hornisse, die aus Angst und Unwissenheit über deren Lebensweise an den Rand der Ausrottung getrieben wurde. Zum Erhalt dieser Art wurde sie vom Gesetz aus besonders geschützt und man darf Sie nun nicht mehr töten. Aber alle anderen Wespen werden teilweise ähnlich bekämpft obwohl sie von uns nichts wissen wollen und nur ihrer Natur entsprechend leben.“

S: „Was können wir denn dagegen tun?“

V: „Aufklären, beraten, schützen und künstliche Nisthilfen bereitstellen. Übrigens ergeht es vielen Tieren in unserer Heimat so, dass sie aus Unwissenheit, weil sie lästig sind, aus Angst und Vorurteilen einfach vertrieben oder abgetötet werden.“

Mutter Natur kommt sehr gut ohne uns zurecht, aber wir nicht ohne Sie- das sollten wir uns immer wieder vor Augen halten!


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